S-log2 der Sony Alpha 7 Serie in Resolve bearbeiten

Vor einiger Zeit habe ich über die richtige Belichtung von Slog2 mit Sony A7s Kamera gesprochen und möchte euch nun Tipps geben, wie ihr aus dieser Aufnahmemethode die Farben und Kontraste wieder ordentlich herstellen könnt. Außerdem mache ich noch einen kleinen Exkurs, warum Slog dabei hilft, sich dem Filmlook anzunähern.

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Die Alpha 7 Kamera einstellen

Es ist egal welche Sony Alpha Kamera ihr nutzt. Ich erläutere die Beispiele anhand der Sony a7s Mark I. Ich gehe davon aus das Slog2 und Slog3 bei der Sony A7s Mark II genau so funktioniert.

Bei vielen Aufnahmen, welche ich mit Slog2 gemacht habe, hat mich immer die Farbe rot bzw. pink sehr gestört. Dadurch wirken z.B. die Lippen unnatürlich farbig und auch eine leichte Rötung der Haut tritt extrem unnatürlich in den Vordergrund.

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S-log2 – rötliche Farben bei S-Gammut

Um das zu vermeiden hier ein paar Tipps für ein weicheres Slog2 Bild, ohne störende Farbprobleme:
den Schwarzpegel, Gamma und Knie lasse ich unangetastet.
Schwarzgamma bleibt auf Mittel und Stufe 0.
Bei der Option Farbmodus wechsle ich von S-Gamut zu Cinema oder Still, das könnt ihr selbst für euch ausprobieren.
Die Sättigung kommt auf -8, die Farbphase -1 und der Rest bleibt bei mir so wie er ist.

Um bei den 8 Bit Videos ein verrauschtes Bild zu vermeiden lohnt es sich mit der Graukarte und der Spotmessung das Bild etwas höher zu belichten. Mehr dazu findet ihr hier. Wenn ihr noch näher an die Echtfarben in eurer Lichtsituation kommen wollt, dann müsst ihr die Aufnahme mit einem Colorchart einleiten, damit ihr im Nachgang die Farben noch genauer abstimmen könnt.

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Colorchart in Resolve 11

Die Bearbeitung in Resolve

Ihr habt eure Clips aufgenommen und macht zuerst ganz gewissenhaft eine Datensicherung. Danach könnt ihr eure Clips in Resolve bearbeiten.

Damit ihr in Resolve 11 die Audiospur importieren könnt, müsst ihr noch einen Zwischenschritt vornehmen, den ich euch hiererkläre. In wenigen Wochen kommt endlich Resolve 12 auf den Markt, welches diesen Schritt hoffentlich überflüssig macht, da die neue Version ein komplettes Videoschnitt System werden soll.

Wie ihr schon wissen solltet sind die Slog Videos etwas dunkler und farbloser. Woran das liegt, erkläre ich am Ende dieses Textes, in einem kleinen Exkurs zur Echtfilmbelichtungstechnik.





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Eure farblosen Slog2 Aufnahmen, haben Farbwerte welche sich in einem nichtlinearen Bildbereich befinden. Für die Darstellung an Bildschirmen müsst ihr das Bildmaterial als erstes in den linearen REC709-Farbraum überführen bzw. reinquetschen.

Quetschen ist dabei sogar das richtige Wort. Nehmt euren Clip und legt auf den ersten Knoten eine 1D LUT für die Transformation von Slog2 zu REC709. In der Waveform Darstellung ist jetzt sofort zu sehen, dass euer Bildmaterial nicht im REC709 Farbraum aufgenommen wurde. Die hellen Bildinformationen liegen weit über dem begrenzten 709-Farbraum.

BlownOut_Highlights
Laut Waveform befinden sich die Helligkeitswerte außerhalb des REC709 Farbraums

Mit den Colorwheels könnt ihr jetzt im Primaries Modus die Shadows, Midtones und Highlights soweit reduzieren, dass euer Bild auch im REC709 Farbraum ordentlich belichtet ist. Außerdem müssen die Sättigung und die Farben wieder hervor geholt werden. Als Ergebnis habt ihr jetzt mit den Slog-Aufnahmen nach der Bearbeitung wesentlich weichere Kontrastübergänge, gegenüber einer direkten Aufnahme in dem begrenzten REC709 Farbraum.

REC709_Highlights
Laut Waveform befinden sich die Helligkeitswerte innerhalb des REC709 Farbraums

Solltet ihr mit einem Colorchart gearbeitet haben, dann fügt ihr einfach einen weiteren Knoten zu Beginn ein und fügt hier die Werte des Colorchart ein.
In meinem Fall, habe ich die Werte einer alte Colorchart-Aufnahme aus meinem Studio genommen, da ich an diesem Tag keine Farbtafel zur Verfügung hatte.

MXF-Export in Resolve und der Gammashift

Wollt ihr Videodaten in Resolve colorieren und in einem anderen Schnittprogramm bearbeiten, dann solltet ihr bereits zu Beginn des Editprozesses die Daten im richtigen Format in euer NLE Tool importieren. Dazu exportiert ihr, gleich nach dem Import, die Clips mit Resolve in eurem gewünschten Format.

DNxHDCodecs
Workflow bei der Nutzung von Resolve 11 und dem Export von DNxHD-Dateien

Denn es kann einiges an Zeit kosten, sobald man in Premiere Pro 100 MOV Clips mit 100 MXF Dateien ersetzen möchte. Wenn ihr dazu einen einfachen Weg kennt, dann lasst ihn mich wissen.

Auf Windowssystemen empfiehlt es sich zum Transfer der Videodaten den DNxHD Codec zu nutzen. Resolve bietet dazu drei Möglichkeiten an, bei der ihr die Konstellation Quicktime -> MXF vermeiden solltet. Aus irgendeinem Grund bringt der Codec einen Gammashift in das Bild, welcher eure Exportdaten leicht milchig erscheinen lässt.

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Exportvergleich DNxHD in Resolve 11

Mit den zwei anderen Optionen passiert das nicht. 8-Bit Eingangsmaterial solltet ihr ebenfalls in 8-Bit ausgeben. Bei einem Testexport mit 10 Bit, habe ich eine unschöne Verstärkung des Bildrauschens festgestellt. Bei der Komprimierung nehmen 36 Mbit Dateien zwar weniger Speicherplatz ein, aber im Gegensatz zu den 145 Mbit Dateien haben sie eine erhebliche Klötzchenbildung. Deshalb empfiehlt es sich auch hier, die Qualität raus zu finden, mit der man selbst am zufriedensten ist.

DNxHDCodecs
MXF Export in Resolve

Echtfilmnegativ vs. Digitalfilm

Warum gibt es eigentlich diese logarithmischen Kurven beim Digitalfilm. Es gibt doch derzeit teure digitale Kinokameras, welche viel besser als Echtfilm sein müssten. Aber z.B. Django wurde von Tarantino immer noch auf Echtfilm gedreht.





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Das hat sicher zum einen mit der Nutzung bewährter und bekannter Technik zu tun. Denn warum sollte ich als Produzent ein funktionierendes Produktionskonzept und Produktionsteam auswechseln, wenn ich damit gut arbeiten kann? Zum anderen habe ich zum Thema Echtfilm einen interessanten Artikel von Pete O’Connell gefunden, welcher mir das Slog2 Konzept besser verständlich gemacht hat.

Bei Echtfilmaufnahmen werden bei der Belichtung des Filmbildes Silberhalogenide durch den Lichteinfall auf dem Film zersetzt. Je mehr Licht auf einem Punkt auftrifft, umso mehr zersetzen sich die Silberpartikel an dieser Stelle. Die Partikel zersetzen sich dabei logarithmisch gegenüber der einfallenden Lichtintensität.

Das heißt. Ein Punkt, welcher vor der Kameralinse eine 10% Graustufe hat, wechselt auf dem Film an dieser Stelle zu einer 30% Belichtungsstufe. Ein weises Shirt mit einer realen Helligkeit von 90%, belichtet auf dem Filmnegativ zu einem Wert von 70%. Ein reflektierter Sonnenstrahl, z.B. auf der Chromleiste eines Fahrzeugs, ist viel heller und strahlt im Echtbild mit vielleicht 1300%.

Negativfilm
MXF Export in Resolve

Durch das logarithmische Verhalten der Silberhalogenide nimmt das Filmnegativ in diesem Fall die Reflexion immer noch mit 99% Belichtung war. Ergo ist im Bild selbst diese sehr helle Informationen noch detailliert zu sehen. Bei einer komprimierten, linearen REC709-Aufnahme gäbe es an dieser Stelle nur eine helle, weise Fläche zu sehen.

Wie auch bei der Slog-Methode von Sony liefert die Echtfilmaufnahme als Ergebnis ausgewaschene, gräuliche Bilder auf dem Negativ. Und auch diese müssen nach der digitalen Kopie erst nachgearbeitet werden.

Ich hoffe jetzt kommt ihr schneller mit Slog2 und der Sony A7s voran und könnt eure Videoprojekte damit erfolgreich durchführen. Ausserdem wisst ihr wieder ein wenig mehr zu dem logarithmischen Aufnahmekonzept.

Meine empfohlene Slog2-Filmausrüstung:
die Sony A7s
den EF Commlite Adapter
das Canon L Objektiv 24-105mm 4.0
eine „billige“ Gegenlichtblende zum auseinanderschneiden
den Rodenstock 77mm Vario ND Filter
die Graukarte, faltbar

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Tags: S-log2, Slog2, Slog, Sony Alpha7, A7, A7s, A7 II, Anleitung, Tutorial, Tipps, Einstellungen, Belichtung

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