Magic Lantern – Tipps aus der Praxis

29. Mrz 2016 – Mit Magic Lantern holt ihr mehr aus eurer Canon Kamera raus. Nachdem ich das System auf der Canon 600D und der 5D Mark III genutzt habe, möchte ich euch jetzt ein paar Tipps dazu geben.





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Kommen wir zuerst mal zum System und wie es funktioniert.

Wie überall beschrieben verliert ihr die Canon Garantie, sobald ihr euch das System auf die Kamera installiert. Dies liegt eher weniger an dem kleinen Eingriff, den ihr vornehmt. Sondern mehr daran, dass die Kamera außerhalb ihrer Spezifikationen betrieben werden kann.

Ich denke dabei an ungünstige Konstellationen zwischen Außentemperatur und Betriebszeit. Es kann zu Überhitzungen kommen und den Sensor schädigen. Mir selbst ist aber noch nichts kaputt gegangen.

Die Installation:
Im Netz sind viele Anleitungen für Installationen zu finden, daher gehe ich nicht noch einmal genau darauf ein. Worauf ihr achten solltet: ist ein voller Akku und eine formatierte, leere Speicherkarte. Nachdem ihr die Karte, wie in der Anleitung beschrieben, mit den Firmware-Update bespielt habt wird eine Art Firmwareupdate vorgenommen.

Letztendlich wird aber nichts weiter gemacht, als ein einzelnes Bit in der Kamera verändert. Bei Erfolg des ganzem, wird die Kamera nach dem Neustart neben dem Canon Betriebssystem eine Art Overlay direkt von der SD Karte laden. Die MagicLantern Software wird also nicht in der Kamera installiert. Ohne die spezielle SD Karte startet die Kamera wie gewohnt.

Jetzt habt ihr die Möglichkeit einige hilfreiche Funktionen zu nutzen. Hier noch ein Sicherheitshinweis für die Nutzung. Sobald ihr die Kamera abschaltet, werden ein paar Daten auf die SD-Karte zurück geschrieben. Ergo solltet ihr nach dem Abschalten immer mindestens 7 Sekunden zu warten, bevor ihr den Akku oder die SD Karte heraus nehmt.

Sollte sich Magic Lantern einmal fest fahren und die Kamera blockieren, dann hilft es den Akku zu entfernen. Das trat bei mir aber bisher nur 2 bis 3 mal auf.

Was bietet mir das System?
Das neue Overlay ist genial. Zu allererst habt ihr die Möglichkeit euch endlich Focuspeaking und Zebras im Display anzeigen zu lassen. Nie wieder müsst ihr halb blind eure Bilder belichten. Als ganz interessantes Gimmick kann man sich auch den Falsecolor Modus anzeigen lassen und hier die Belichtung der Bildbereiche noch feiner ablesen.

Weiterhin wird im Record Modus ein Level Meter für den Ton angezeigt und wenn ihr auf Nummer sicher gehen wollt, lässt sich für den Modus Aufnahme Stopp ein großes, auffälliges Overlay anzeigen. Somit sieht man es leichter, falls man mal nicht aufnimmt.

Diese neu gewonnen Anzeigen habe ich jedesmal schmerzlich vermisst, sobald ich Magic Lantern nicht mehr aktiviert hatte. Ach ja, ihr kommt mit der Displaytaste sehr leicht wieder in das gewohnte Canon Menü zurück.

Nicht nur die neuen Anzeigen erleichtern die Arbeit, sondern auch tiefer liegende Funktionen. Als weiteres kann man jetzt den Weißabgleich viel einfacher manuell durchführen. Dies ist eine echte Erleichterung entgegen dem nervigen Prozedere von Canon.





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Vielleicht kennt ihr die 30 Minuten Video Beschränkung von Fotoapparaten? Diese zollrechtliche Geschichte machen die Hersteller, damit die Fotoapparate nicht als Videokamera verzollt werden. Damit reduziert sich der Preis einer DSLR. Diese Camcorder Zoll Schranke soll ab Mitte 2016 aber angeblich abgebaut werden.

Mit Magic Lantern habt ihr bereits jetzt die Möglichkeit nach einem Record-Stop erneut die Aufnahme automatisch starten zu lassen. Somit fehlen letztendlich nur ein paar Sekunden in der Aufnahme. Ich halte das für eine geniale Funktion.

Kommen wir zum Thema Videofeatures. Auch für die Aufnahme von Videos gibt es einige Erweiterungen. Ihr könnt eine Videodatei mit geringerer fps-Zahl aufnehmen und damit in einer Videodatei eine Zeitrafferaufnahme speichern. Das spart Speicherplatz.

Parallel dazu gibt es die Option in definierten Zeitabständen Fotos zu speichern. Auch damit lassen sich Zeitrafferaufnahmen erstellen. Dies ermöglicht es selbst mit der Canon 600D Videos in 4k Auflösung zu erstellen.

Es gibt ebenfalls eine nette Funktion namens HDR Video. Dabei werden die Videoframes abwechselnd dunkeler und heller belichtet. Die Kamera nimmt in diesem Fall Videos nur noch mit halber Geschwindigkeit auf. Ihr dürft sie also bei den Aufnahmen nur sehr langsam bewegen.

Im Nachgang könnt ihr am Computer das Video auseinander stückeln und die Frames miteinander überblenden. Wenn man alles richtig gemacht hat, entsteht dadurch ein beeindruckendes Videobild, mit einem wesentlich höheren Dynamikumfang als die Canon Kameras üblicherweise bieten. Die Nacharbeit erfordert aber einiges an Rechenleistung.

Kommen wir zum absoluten King of Pommes. Dem RAW Video. RAW Bilder bieten eine sehr hohe 14bit Farbtiefe, so dass man im Postprocessing noch einiges an Änderungen am Bildmaterial vornehmen kann. Magic Lantern sorgt dafür, dass die Sensordaten direkt auf die Speicherkarte geschrieben werden.

Die SD Karten der 600D ist dabei allerdings der Flaschenhals. Hier muss man die Aufnahmeeinstellungen auf eher geringe Auflösungen herunterschrauben. Die Canon 5D hingegen bietet einen CF Speicherkartenplatz an. Die Schreibgeschwindigkeit reicht dabei aus in FullHD bei ca. 24 Bildern pro Sekunde zu filmen. Wenn man mit 50 Bildern pro Sekunde aufnehmen möchte, muss die Auflösung auf 1920×800 Pixel herunter gesetzt werden. Die Aufnahmen sind allerdings trotzdem ziemlich beeindruckend.

Einige Nachteile hat die RAW Aufnahme allerdings. Ihr brauch eine unheimlich schnelle CF-Speicherkarte. Zwei Modelle mit denen ich hervorragend arbeiten konnte, sind Komputer Bay 64GB und die Lexar Professional 32GB 1066x. Bei dem 64GB Modell kam es allerdings nach einigen Takes zu dem Problem, dass die Schreibgeschwindigkeit abnahm.

Ihr solltet es also vermeiden mehr als die Hälfte der Karte zu beschreiben. Ich habe dabei mit 50 fps aufgenommen und die Datenrate lag bei ca. 100 Megabyte pro Sekunde. Ein 30 Sekunden Take nimmt also gern mal 3 Gigabyte Speicherplatz ein. Das ist ebenfalls ein Nachteil, solange man allein arbeitet. Denn leider ist meist gar keine Zeit, die Daten im Hintergrund von einer Karte zu kopieren und parallel mit der anderen Karte zu arbeiten.

Das ist ein Grund, weshalb ich die RAW Videofunktion auch bald wieder außen vor gelassen habe. Sie lief ziemlich stabil und macht super Aufnahmen. Aber die Themen Datenrate, Speicherleistung und Überhitzung haben zu sehr vom  eigentlichen Dreh abgelenkt.

Noch ein kleiner Schwenk zu den Blackmagic Kameras. Ich hatte noch keine Blackmagic Kamera in der Hand, aber halte die älteren Modell für zu eingeschränkt. Sie bieten ein Allround System, bei dem alle Funktionen miteinander abgestimmt sind und sie speichern auf SSD Festplatten. Ebenfalls ist es möglich die Daten auch komprimiert aufzunehmen.

Ich bin letztendlich auf die Sony A7s umgestiegen, da sie mit dem Slog2 Profil die Möglichkeit bietet bis zu 14 Blendenstufen in komprimierter Form aufzunehmen. Bisher gibt es noch keine Hacks für diese Kamera. Aber ich denke sie würde viel Potential bieten.

Ich hoff ich konnte euch ein paar Hilfreiche Tipps für euren Einsatz mit Magic Lantern geben.





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