Anleitung: Dauerlicht im Film (Kontraste/Rimlight/Keylight)

Um eine Filmszene ästhetisch in Szene zu setzen, spielt es unter anderem eine Rolle wie euer Bild beleuchtet wird. Hier zeige ich euch Schrittweise was Kontraste in Bildern ausmachen und wir ihr mit bis zu zwei Lichtquellen eure eigenen Beleuchtungsübungen machen könnt.





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Die Grundlagen sind beim Beleuchten gar nicht schwer zu verstehen. Aber wie bei allem muss man üben, üben, üben und selbst ein Gefühl dafür bekommen wie Licht sich verhält. Beim Ausleuchten geht es immer um eine Balance zwischen Licht und Schatten auf allen Ebenen im Bild. Dadurch wirken die zweidimensionalen Videobilder plastischer und interessanter, als bei einem Null-Acht-15 Foto.

Lektion I – Null künstliche Lichtquellen

Für die erste Lektion benötigt ihr keine eigenen Lichtquellen. Zieht euch eine Jacke an und geht mit der Kamera raus. Hier trefft ihr zu jeder Tageszeit auf die unterschiedlichsten Lichtsitutationen.

Wolkenhimmel

Sollte der Himmel stark Bewölkt sein, habt ihr ein weiches, diffuses Licht. An Objekten werden kaum Schatten gezeichnet, nichts ist richtig hell, nichts ist richtig dunkel. Wenn ihr in diesem Fall trotzdem eine plastische Zeichnung eures Models haben wollt, dann stellt es neben eine dunkle Fläche. Eine Wand oder einen Baum. Dadurch verringert sich der Lichteinfall von einer Seite und schon habt ihr einen hellen und dunkeln Bereich geschaffen. Ebenfalls dürfte meistens mehr Licht von Oben, als von unten auf das Gesicht des Models fallen. In diesem Fall zeichnet der wesentlich hellere Wolkenhimmel im Gesicht des Models unter Kinn, Nase und Augenbrauen leichte Schattenbereiche. Also bekommt ihr automatisch Plastizität im Gesicht des Models.

An dieser Stelle möchte ich kurz sagen, das es in vielen Situationen Sinn macht das Licht nie Frontal und direkt aus Kamerarichtung auf das Objekt zu richten. Damit verliert sich jegliche Plastizität und ich finde es amüsant das Fotoblitze in Kameras meist direkt neben dem Objektiv sitzen. Diese Fotos können eine eigene Ästhetik haben, aber sind meist nur platte Familienfotos.

Sonnenhimmel

An einem sonnigen Tag könnt ihr die Welt einfach mal ohne Kamera betrachten. Stellt euch irgendwo hin und dreht euch mit dem Rücken zur Sonne. Alles was ihr jetzt sehen solltet sind hell beleuchtete Flächen. Je nach Tageszeit zeichnen sich unter diesen Flächen kleine Schatten ab. Macht jetzt ein Foto davon und zoomt die hellsten und dunkelsten Bereiche heran.

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Über und unterbelichtete Bereiche – Kontrastumfang digitaler Fototechnik

Auf dem Foto sind in diesen Bereichen weniger Details zu sehen, als ihr mit euren bloßen Augen wahrnehmen könnt. Dies liegt am geringeren Kontrastumfang der digitalen Technik. Zu diesem Thema könnt ihr hier mehr erfahren.

Nachdem ihr diese Lichtsituation fertig betrachtet und analysiert habt beginnt ihr euch im Kreis zu drehen und nach jeweils 90° das Licht und Schattenspiel zu betrachten und mit immer der gleichen, manuellen Einstellung zu fotografieren. Nachdem ihr euch ein paar Runden gedreht habt, sollten euch folgende Sachen aufgefallen sein.

Sobald das Licht aus Richtung der Kamera kommt, haben Objekte kaum eine plastische Zeichnung. Sobald die Sonne aber seitlich oder hinter dem Objekt steht, beginnt sich das Objekt hervorzuheben. Besonders wenn sich die Sonne direkt hinter einem Grashalm oder Ast befindet, könnt ihr sehen das die Kontur des Objektes durch die Sonne gezeichnet wird. Dies nennt sich rim light (rim = einrahmen).

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Rim Light – das Licht rahmt die Objekte ein





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Euer Erkenntnis aus dieser Betrachtung sollte sein, wie wichtig das Verhältnis zwischen Licht und Schatten ist. Sobald sehr viel Licht aus der Betrachtungsrichtung auf ein Objekt fällt und dadurch nur wenige Schatten entstehen, beginnt das Bild immer flacher zu wirken.

Schon habt ihr die ersten Fakten gelernt und könnt sie gleich in der Praxis anwenden. Geht dazu nach Hause und schaut euch einige Kinofilmtrailer an. Mit eurem hart erarbeiteten Wissen beobachtet ihr vor allem in den Dialogszenen die Schauspieler. Wenn die Ausleuchtung ordentlich gemacht wurde, werdet ihr an folgenden Fakten beobachten. Haare glänzen oft geschmeidig vor sich hin und auf einer Körperseite strahlt ein dezentes Licht den Schulter und Nackenbereich aus. Diese Lichtquellen kommen von Hinten und heben die Protagonisten im Bild hervor. Außerdem wird ein Schauspieler nie direkt aus Richtung der Kamera beleuchtet.

Lektion II – Eine künstliche Lichtquelle

Nachdem ihr die ersten Informationen gelernt habt, kommen wir zu Lektion zwei bei der ihr ein Licht benötigt. Geht in einen komplett dunklen Raum, stellt eure Kamera auf ein Stativ und richtet sie auf ein Menschenmodel ein. Nehmt am besten eine Brennweite um die 85 mm und stellt das Model ca. 1,5m bis 2,5m vor die Kamera. Jetzt solltet ihr eine ansprechende Portraitszene haben.

Rim Light

Um etwas zu sehen, braucht ihr natürlich ein Licht. Nehmt einen Baustrahler, eine Glühbirne oder eure Schreibtischlampe und platziert sie seitlich hinter dem Modell. Beginnt mit der Lichtposition zu spielen und beobachtet was passiert. Das macht ihr so lange, bis die Körperkontur, auf die das Licht strahlt, euren Wünschen entspricht. Sobald ihr das geschafft habt, freut ich euch darüber.

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Aufbau für rim light

Es gibt feste Ausgangspositionen mit denen man am Filmset nicht nur durch herumprobieren ein Licht passend einstellt. Grundsätzlich könnt ihr mit folgenden Werten eure Tests beginnen. Stellt das Lichtstativ einen Meter entfernt und 45° hinter dem Modell ab. Als Lichthöhe sind etwa 1 bis 1,5 m über dem Kopf zu wählen.

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Rim light im Portrait

Key Light

Im Film sind die Gesichter der Schauspieler natürlich auch von vorn ausgeleuchtet. Dazu verwendet man ein key light (z.B. mit Softboxen). Nutzt zu Beginn die gleichen Basiswerte, wie beim Licht von hinten. Nehmt eure Lichtquelle und beginnt mit der Ausleuchtung 45° vor dem Modell und ca. 1 m über dem Kopf. Richtet das key light von der Höhe und vom Winkel her so ein, das ihr einen Nasenschatten seht, der ungefähr auf der Hälfte zwischen Oberlippe und Nase liegt.

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Aufbau für key light

Vergleicht jetzt in einem Testvideo was sich ändert, sobald ihr das Licht absenkt oder weiter anhebt. Fakt ist, dass bei einem hoch oben stehendem Licht das Gesicht plastischer belichtet wirkt. Dies liegt daran das am Kinn, der Nase und den Augenbrauen eine leichte Schattenzeichnung entsteht.

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Key light im Portrait

Lektion III – Zwei künstliche Lichtquelle

Kommen wir zur dritten Lektion, bei der ihr die Beleuchtung mit dem key light und dem rim light kombiniert. Setzt dazu das rim light genau gegenüber dem key light ein. Mit welchen Basiseinstellungen ihr beginnen solltet, wisst ihr ja bereits. Für eure ersten Versuche solltet ihr jetzt nach und nach damit beginnen die Höhe und den Standort der Lichtquellen zu variieren. Damit lernt ihr Stück für Stück kennen, welchen Einfluss das Licht auf die Bildwirkung hat. Achtet dabei darauf, das das key light durch den Schattenwurf des Kopfes eine Kopfhälfte nur schwach beleuchtet. Dies sollte sich aber durch den 45° Winkel von allein einstellen.

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Rim und key light im Portrait

Das wars schon. Jetzt habt ihr schon mal Grundlegend gesehen, wie in verschiedenen Filmszenen die Figuren mit einer Ausleuchtung aus mindestens zwei Richtungen plastisch vom Hintergrund hervorgehoben werden können.

Dazu zeige ich euch beispielhaft folgende Beleuchtungsszene. Durch die angepasste Ausleuchtung wird mein Körper in der Szene hervorgehoben. Als Vergleich seht ihr auch die Aufnahme ohne eine künstliche Ausleuchtung.

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mit Kunstlich – plastische Zeichnung der Figur

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ohne Kunstlicht – wenig Zeichnung durch Fensterlicht





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Beginnt jetzt mit diesen Tipps eure eigene Szene zu kreieren. Setzt euch an den Küchentisch, an den Schreibtisch, auf das Sofa und nehmt die Szene ohne Beleuchtung auf. Dann überlegt ihr, wo sich die jeweiligen 45° Winkel befinden und wie ihr den Körper mit key und rim light plastisch aus dem Bild hervorheben könnt. Viel Spaß und wenn ihr Ergebnisse habt, dann gebt mir einen Link in die Kommentare.

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